Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn euch andere nach der Hoffnung fragen, die euch erfüllt.
Hoffnung für Alle; 1. Petrus 3, 15
Das griechische Wort, was hier im Urtext steht, ist das Wort Apologia. Eine Apologie war die Verteidigungsrede vor Gericht. Beispielsweise kann man die „Apologie des Sokrates“, welche er damals vor dem Areopag in Athen hielt (oder zumindest Platons Version davon), heute noch kaufen. An seinem Beispiel können wir sehen, wie viel von so einer Verteidigung abhängen kann – denn Sokrates wurde zum Tode verurteilt.
Petrus macht also von Anfang an klar, dass es hier um etwas wirklich Wichtiges geht. Um ehrliche Antworten auf ernste Fragen. Dies wird auch durch den Ausdruck unterstrichen, der hier mit bereit sein übersetzt worden ist. Gemeint ist nämlich zugerüstet sein, also bereit sein im militärischen Sinne.
Jeder Christ, sagt Petrus, sollte also gewillt sein, Zeit und Ressourcen zu investieren, um die Gründe zu reflektieren, welche dazu führen, dass er glaubt, was er glaubt und diese auch sinnvoll artikulieren zu können. Wenn Du Christ bist, kannst du dich ja mal fragen: „Habe ich das?“ Und wenn nicht, frage doch mal: „Habe ich das schon mal erlebt?“ Bestimmt hast Du dich auch schon mal gefragt, ob sich zum Beispiel der Glaube und die Wissenschaft nicht widersprechen, ob die Bibel nicht überholt ist, wie es angeblich einen guten Gott geben soll, wenn doch so viel Leid in der Welt ist usw.
Meine Erfahrung ist leider, dass dies viel zu selten passiert und überhaupt nur sehr wenig rational und ohne emotionale Wertung über Weltanschauungsfragen gesprochen wird. Mehr noch: Viele sind der Meinung, dass das überhaupt nicht gehe, das die eigene Weltanschauung, besonders dann, wenn sie religiös ist, etwas per se irrationales oder zumindest über-rationales sei.
Diesem Vorwurf steht die Apologetik entgegen. Sie ist eine Art Crossover-Disziplin aus Theologie und Philosophie und möchte sich dafür stark machen, dass es durchaus rational sein kann, Christ zu sein. Dabei geht es nicht darum, ins Christentum argumentiert zu werden, sondern einander zu verstehen und die Barrieren zwischen Menschen abzubauen. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wie oft halten wir die Sichtweisen anderer Gruppen für überhaupt nicht nachvollziehbar und deswegen dann schnell für „bescheuert“? Oft sind das aber genau die Menschen, welche von den Überzeugungen der jeweils anderen Gruppe nur wenig Ahnung haben, weil wir mehr über- als miteinander reden.
Hier möchte die Apologetik helfen. Und deswegen interessiert uns, was deine Fragen an das Christentum sind. Gerne kannst Du sie in den Kommentaren zu diesem Post hinterlassen. Jede Woche werden wir versuchen, eine dieser Fragen ausführlicher zu behandeln.
Ich bin überzeugt, wenn wir miteinander reden, werden Vorurteile ab- und Beziehungen gebaut. Wir ändern dann vielleicht nicht gleich unsere Weltanschauung, aber unser Denken übereinander wird differenzierter, weil wir miteinander denken und die Welt ein klein bisschen weniger schwarz-weiß.
Glaube ist mehr als Verstand, aber ganz sicher nicht weniger.
Timothy Keller