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  • „Der Glaube ist nur eine Krücke für Menschen, die mit der harten Realität der Welt nicht zurechtkommen!“

    April 20th, 2023

    Täglich werden wir mit dem Leid in unserer Welt konfrontiert. Sei es nun der Bettler an der Straßenecke oder der tägliche Blick in die Nachrichten. Wann immer eine größere Krise – wie etwa die Corona-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine – ausbricht, dominiert sie unsere Medien und nach einer gewissen Schock-Zeit reagieren viele Menschen darauf mit einem natürlichen Impuls: „Ich kann es nicht mehr hören!“

    Wir spüren, dass es uns nicht gut tut, uns ständig den Schrecken dieses Lebens ausgesetzt zu wissen. Wir lenken uns ab und flüchten uns in etwas anderes. Dieser Fluchtimpuls ist für den berühmten Psychologen Sigmund Freud der Ursprung der Religion. Er schreibt:

    „[D]ie Hilflosigkeit der Menschen bleibt und damit ihre Vatersehnsucht und die Götter. Die Götter behalten ihre dreifache Aufgabe, die Schrecken der Natur zu bannen, mit der Grausamkeit des Schicksals, besonders wie es sich im Tode zeigt, zu versöhnen und für die Leiden und Entbehrungen zu entschädigen, die dem Menschen durch das kulturelle Zusammenleben auferlegt werden.“

    S. Freud: Die Zukunft einer Illusion. In: Mitscherlich, A. u.a, (Hrsg.): Fragen der Gesellschaft. Ursprünge der Religion. Frankfurt a. M. 1974, S. 151-165. Auszüge.

    Der Glaube an Gott ist nach Freud also ein Mittel, um psychologisch mit dem Leid und der Ungerechtigkeit, die wir erfahren, fertigzuwerden. Noch heute ist dies eine beliebte religionskritische Argumentationslinie. Bevor wir sie gleich hinterfragen, sollten wir zunächst einmal zugestehen, dass sie auf viele Menschen zutrifft. Sie finden halt in ihrer Religion und das ist für sie ein Hauptmotivator, zu glauben. Tatsächlich lassen sich immer wieder psychologische Studien finden, welche die positiven Auswirkungen des Glaubens auf die menschliche Psyche bescheinigen. So schreibt z.B. der Psychiater Raphael Bonelli, der passenderweise an der Sigmund-Freud-Universität in Wien arbeitet:

    „Der Gläubige weiß, da gibt es jemanden, der ihn in der Hand hält und der für ihn sorgt. Man fühlt sich geborgen, und das schafft psychische Stabilität.“

    Aus einem Interview mit dem „Spiegel“ am 23.12.2013.

    Wenn ein Religionskritiker mit Freud argumentiert, meint er jedoch allzu oft noch etwas anderes.

    „Heaven is a fairy story for people afraid of the dark.“

    Stephen Hawking

    In diesem mittlerweile ziemlich bekannten Zitat des berühmten Physikers steckt nicht nur, dass Glaube im Umgang mit „der Dunkelheit“ hilfreich, sondern auch, dass er eine „fairy story“, also ein Märchen, ist. Dies ist genau die Ansicht, die viele Menschen vertreten wollen, wenn sie sich auf Freud beziehen. Will man seine Argumentation so verwenden, tun sich allerdings einige Probleme auf:

    Zunächst einmal liegt hier etwas vor, was man in der englischen formalen Logik eine genetic fallacy, also einen genetischen Fehlschluss, nennt. Dieser hat allerdings wenig mit Genetik, vielmehr aber mit Genese zu tun – dem Entstehungsprozess von etwas. Der Fehlschluss liegt nun darin, dass man von dem Entstehungsprozess einer Überzeugung auf deren Wahrheit schließen könne. Dass dies nicht möglich ist, soll ein Beispiel verdeutlichen:

    Nehmen wir einmal an, wir wüssten nicht, dass Argentinien momentan Fußball-Weltmeister ist. Glücklicherweise informiert uns unser Nachbar Norbert über diese Neuigkeit. Da gibt es nur ein kleines Problem: Norbert gilt nicht nur als notorischer Lügner, er hat auch noch keine Ahnung von Fußball! Der Prozess, durch den ich zu meiner Überzeugung P: „Argentinien ist Fußball-Weltmeister“ gelangt bin, ist also mehr als fragwürdig. Dennoch ändert das nichts daran, dass P wahr ist. Die Form der Genese einer Überzeugung ist formal logisch unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Das gilt auch für die Genese religiöser Überzeugungen (und übrigens auch für Einwände der Form: „Du glaubst doch nur X (z.B. an Gott), weil du Y (z.B. so aufgewachsen bist!“).

    Treffend ist jedoch der Einwand, man hätte durch diese Form der Genese keinen guten Grund, P für wahr zu halten. Wenn jemand nur aufgrund psychisch-emotionaler „Vorteile“ gläubig ist, sagt das zwar nichts über den Wahrheitsgehalt der betreffenden Glaubensüberzeugungen aus, ist jedoch auch nicht gerade gute Werbung für sie. Auch hier müssen wir zugestehen, dass viele Menschen auf diese Weise glauben. Sie glauben, weil es ihnen gut tut und es ihnen im Leben hilft. Das ist an sich nicht verwerflich, doch wenn das der einzige Grund ist, und der Wahrheitsgehalt von Überzeugungen ins Hintertreffen gerät, solange sie hilfreich sind, ist das mehr als kritisch zu betrachten.

    Oft ist uns jedoch nicht bewusst, dass dies auch umgekehrt gilt. So schreibt zum Beispiel der amerikanische Theologe Timothy Keller:

    „Everybody knows that there are emotional and psychological reasons why you might want to believe in God. But seldom do people point out that we all have enormous emotional and psychological reasons to disbelieve in God. How so? Im looking at a book like the bible […] anyone sees fairly quickly that if it were true you would lose some control over how you can live your life.“

    T. Keller: The Reason for God. Belief in an age of scepticism. New York 2008.

    Mit einer Gottesvorstellung können auch Attribute verknüpft werden, die einen, psychologisch betrachtet, vom Glauben abhalten. Beispielsweise gehören Allmacht und Allwissenheit traditionell zum monotheistischen Gottesbild. Das sind Attribute, die auf der einen Seite Geborgenheit und Hilfe versprechen. Aber wollen wir das wirklich? Einen Gott, der alles sieht und weiß, vor dem wir nichts verstecken können und dem wir im Zweifelsfall völlig ausgeliefert sind? Plötzlich scheint es psychologisch vollkommen nachvollziehbar, diesen Gott nicht anziehend zu finden, sondern abzulehnen. So schreibt z.B. der Philosoph Thomas Nagel:

    „Ich spreche hier […] von der Angst vor der Religion selbst. Dabei rede ich aus Erfahrung, denn ich bin dieser Angst in hohem Maße ausgesetzt: Ich will, dass der Atheismus war ist […] Es ist nicht nur so, dass ich nicht an Gott glaube und natürlich hoffe, mit meiner Ansicht recht zu behalten, sondern eigentlich geht es um meine Hoffnung, es möge keinen Gott geben!“ (Meine Betonung)

    Thomas Nagel: Das letzte Wort. 1999.

    Wer Freud also verwenden möchte, um damit psychologisch herzuleiten, warum Menschen den Glauben akzeptieren, muss damit leben, dass dieselbe Argumentationslinie verwendet werden kann, um dessen Ablehnung zu erklären.

    Wenn auch mit einem Augenzwinkern, so hat der Oxford-Mathematiker John Lennox vielleicht auch deshalb so auf den Ausspruch Stephen Hawkings reagiert:

    Atheism is a fairy story for people afraid of the light.

    John Lennox

    Egal für welche Seite man die Freud`sche Psychologie (miss)braucht, so zeigt sie doch vor allem eins: Um den Wahrheitsgehalt von Glaubensüberzeugungen infrage zu stellen, ist sie vollkommen unbrauchbar.

  • „Wenn Gott alles weiß, habe ich dann einen freien Willen?“

    Januar 6th, 2023

    „Wer unterrichtet den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweiset ihn? Wen fragt er um Rat, der ihm Verstand gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn die Erkenntnis und unterweise ihn den Weg des Verstandes?“

    Jesaja 40, 13-14; Die Bibel

    Dieses Meme war eine Zeit lang sehr populär. Und auch wenn man es mittlerweile nicht mehr so häufig sieht, ist die Kraft des angesprochenen Problems ungebrochen. Außerdem beweist es mal wieder, dass Kinder einfach die besten Fragen stellen!

    Für einen möglichen Lösungsansatz müssen wir uns den Attributen Gottes zuwenden; im Besonderen der Ewigkeit Gottes.

    Viele Menschen stellen sich die Ewigkeit in etwa wie eine Zeitspanne ohne Anfang und Ende vor. Diese Vorstellung weist jedoch einen logischen Fehler auf: Stellen wir uns einen beliebigen Zeitpunkt in der Gegenwart vor (Wie wäre es mit genau diesem?) und nennen ihn G. Wenn wir uns die Ewigkeit nun wie eine Zeitspanne ohne Anfang und Ende vorstellen, würde das bedeuten, dass vor und nach G unendlich viel Zeit verginge. Wenn aber vor G, also dem Zeitpunkt, an dem wir uns jetzt gerade befinden, unendlich viel Zeit vergangen wäre, dann wäre die Zeitspanne vor G gewissermaßen eine Zeit, die nie ablaufen könnte. Die Zeit vor G wäre dann unendlich lang. Man könnte immer weiter in der Zeit zurückgehen, da diese ja keinen Anfang hätte. Wenn aber die Zeit vor G unendlich wäre, könnte man genau deswegen, gewissermaßen per Definition, G niemals erreichen. Du liest jedoch gerade diesen Eintrag – irgendwie musst du G also doch erreicht haben! Wenn wir also nicht bereit sind, zu behaupten, dass G – also der Zeitpunkt, an dem wir uns jetzt gerade befinden – reine Illusion ist, müssen wir unseren Begriff der Ewigkeit ändern. Sie ist keine ewige lange Zeitspanne. Sie ist Zeitlosigkeit.

    Wenn wir mit diesem Verständnis behaupten, dass Gott ewig sei, bedeutet das, dass er jenseits der Zeit existiert. Und das ist entscheidend für seine Beziehung zu ihr sowie die damit einhergehende Allwissenheit beziehungsweise Kontrolle.

    Ein Gedankenexperiment soll dies veranschaulichen:

    Stellen wir uns vor, wir könnten in der Zeit reisen. Nicht viel, vielleicht gerade einmal fünf Minuten. Stellen wir uns weiterhin vor, wir würden uns die Zeit damit vertreiben, unseren Nachbarn durch das Fenster zu beobachten (,was wir natürlich nie tun würden!) Wir reisen also fünf Minuten in die Zukunft, um herauszufinden, was er dann tun wird, was passiert etc. Wir notieren alles sorgfältig, reisen zurück und warten gespannt ab. Und siehe da: Alles geschieht genauso, wie wir es vorhergesehen haben!

    Entscheidend ist nun aber, dass die Tatsache, dass wir von der Zukunft bereits wussten, nicht gleichbedeutend damit ist, in sie einzugreifen. Sie läuft völlig ohne unser Zutun ab; wir kennen sie einfach schon. Anders ausgedrückt: Unser Wissen über die Zukunft und der freie Wille unseres Nachbarn sind logisch völlig widerspruchsfrei miteinander vereinbar.

    Gott braucht dafür natürlich keine Zeitmaschiene. Ihm sind gewissermaßen alle Zeitpunkte, die jemals existiert haben und die es jemals werden, präsent. Genau deswegen kann er – in der Fülle allen Wissens – einen perfekten Plan haben. Er kann eingreifen, wo er möchte, muss es aber nicht. Das Wissen über die Zukunft setzt nicht ihre aktive Kontrolle voraus, schließt sie aber auch nicht aus – und genau deshalb lohnt es sich, zu beten.

    Anders verhält es sich, wenn wir eine naturalistische Weltanschauung annehmen. Der Naturalismus geht davon aus, dass es in dieser Welt nichts anderes gibt, als Materie und natürliche Abläufe, die prinzipiell auf physikalische Prozesse heruntergebrochen werden können.

    Wenn wir allerdings nichts anderes sind, als ein physikalisches System, bedeutet das auch, dass wir den Gesetzen der Physik komplett unterworfen sind. Jeder unserer Gedanken ist dann nicht mehr als ein elektrischer Impuls in unserem Gehirn, der so abläuft, wie er abläuft, weil die Physik nun mal ist, wie sie ist.

    Es bleibt also, zu fragen, ob die Ablehnung eines allwissenden Gottes nicht eine größere Herausforderung für den freien Willen darstellt, als der Glaube an ihn.

  • Das Anliegen dieses Projektes oder „Was ist eigentlich Apologetik?“

    September 13th, 2021

    Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn euch andere nach der Hoffnung fragen, die euch erfüllt.

    Hoffnung für Alle; 1. Petrus 3, 15

    Das griechische Wort, was hier im Urtext steht, ist das Wort Apologia. Eine Apologie war die Verteidigungsrede vor Gericht. Beispielsweise kann man die „Apologie des Sokrates“, welche er damals vor dem Areopag in Athen hielt (oder zumindest Platons Version davon), heute noch kaufen. An seinem Beispiel können wir sehen, wie viel von so einer Verteidigung abhängen kann – denn Sokrates wurde zum Tode verurteilt.

    Petrus macht also von Anfang an klar, dass es hier um etwas wirklich Wichtiges geht. Um ehrliche Antworten auf ernste Fragen. Dies wird auch durch den Ausdruck unterstrichen, der hier mit bereit sein übersetzt worden ist. Gemeint ist nämlich zugerüstet sein, also bereit sein im militärischen Sinne.

    Jeder Christ, sagt Petrus, sollte also gewillt sein, Zeit und Ressourcen zu investieren, um die Gründe zu reflektieren, welche dazu führen, dass er glaubt, was er glaubt und diese auch sinnvoll artikulieren zu können. Wenn Du Christ bist, kannst du dich ja mal fragen: „Habe ich das?“ Und wenn nicht, frage doch mal: „Habe ich das schon mal erlebt?“ Bestimmt hast Du dich auch schon mal gefragt, ob sich zum Beispiel der Glaube und die Wissenschaft nicht widersprechen, ob die Bibel nicht überholt ist, wie es angeblich einen guten Gott geben soll, wenn doch so viel Leid in der Welt ist usw.

    Meine Erfahrung ist leider, dass dies viel zu selten passiert und überhaupt nur sehr wenig rational und ohne emotionale Wertung über Weltanschauungsfragen gesprochen wird. Mehr noch: Viele sind der Meinung, dass das überhaupt nicht gehe, das die eigene Weltanschauung, besonders dann, wenn sie religiös ist, etwas per se irrationales oder zumindest über-rationales sei.

    Diesem Vorwurf steht die Apologetik entgegen. Sie ist eine Art Crossover-Disziplin aus Theologie und Philosophie und möchte sich dafür stark machen, dass es durchaus rational sein kann, Christ zu sein. Dabei geht es nicht darum, ins Christentum argumentiert zu werden, sondern einander zu verstehen und die Barrieren zwischen Menschen abzubauen. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wie oft halten wir die Sichtweisen anderer Gruppen für überhaupt nicht nachvollziehbar und deswegen dann schnell für „bescheuert“? Oft sind das aber genau die Menschen, welche von den Überzeugungen der jeweils anderen Gruppe nur wenig Ahnung haben, weil wir mehr über- als miteinander reden.

    Hier möchte die Apologetik helfen. Und deswegen interessiert uns, was deine Fragen an das Christentum sind. Gerne kannst Du sie in den Kommentaren zu diesem Post hinterlassen. Jede Woche werden wir versuchen, eine dieser Fragen ausführlicher zu behandeln.

    Ich bin überzeugt, wenn wir miteinander reden, werden Vorurteile ab- und Beziehungen gebaut. Wir ändern dann vielleicht nicht gleich unsere Weltanschauung, aber unser Denken übereinander wird differenzierter, weil wir miteinander denken und die Welt ein klein bisschen weniger schwarz-weiß.

    Glaube ist mehr als Verstand, aber ganz sicher nicht weniger.

    Timothy Keller

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