„Wer unterrichtet den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweiset ihn? Wen fragt er um Rat, der ihm Verstand gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn die Erkenntnis und unterweise ihn den Weg des Verstandes?“
Jesaja 40, 13-14; Die Bibel

Dieses Meme war eine Zeit lang sehr populär. Und auch wenn man es mittlerweile nicht mehr so häufig sieht, ist die Kraft des angesprochenen Problems ungebrochen. Außerdem beweist es mal wieder, dass Kinder einfach die besten Fragen stellen!
Für einen möglichen Lösungsansatz müssen wir uns den Attributen Gottes zuwenden; im Besonderen der Ewigkeit Gottes.
Viele Menschen stellen sich die Ewigkeit in etwa wie eine Zeitspanne ohne Anfang und Ende vor. Diese Vorstellung weist jedoch einen logischen Fehler auf: Stellen wir uns einen beliebigen Zeitpunkt in der Gegenwart vor (Wie wäre es mit genau diesem?) und nennen ihn G. Wenn wir uns die Ewigkeit nun wie eine Zeitspanne ohne Anfang und Ende vorstellen, würde das bedeuten, dass vor und nach G unendlich viel Zeit verginge. Wenn aber vor G, also dem Zeitpunkt, an dem wir uns jetzt gerade befinden, unendlich viel Zeit vergangen wäre, dann wäre die Zeitspanne vor G gewissermaßen eine Zeit, die nie ablaufen könnte. Die Zeit vor G wäre dann unendlich lang. Man könnte immer weiter in der Zeit zurückgehen, da diese ja keinen Anfang hätte. Wenn aber die Zeit vor G unendlich wäre, könnte man genau deswegen, gewissermaßen per Definition, G niemals erreichen. Du liest jedoch gerade diesen Eintrag – irgendwie musst du G also doch erreicht haben! Wenn wir also nicht bereit sind, zu behaupten, dass G – also der Zeitpunkt, an dem wir uns jetzt gerade befinden – reine Illusion ist, müssen wir unseren Begriff der Ewigkeit ändern. Sie ist keine ewige lange Zeitspanne. Sie ist Zeitlosigkeit.
Wenn wir mit diesem Verständnis behaupten, dass Gott ewig sei, bedeutet das, dass er jenseits der Zeit existiert. Und das ist entscheidend für seine Beziehung zu ihr sowie die damit einhergehende Allwissenheit beziehungsweise Kontrolle.
Ein Gedankenexperiment soll dies veranschaulichen:
Stellen wir uns vor, wir könnten in der Zeit reisen. Nicht viel, vielleicht gerade einmal fünf Minuten. Stellen wir uns weiterhin vor, wir würden uns die Zeit damit vertreiben, unseren Nachbarn durch das Fenster zu beobachten (,was wir natürlich nie tun würden!) Wir reisen also fünf Minuten in die Zukunft, um herauszufinden, was er dann tun wird, was passiert etc. Wir notieren alles sorgfältig, reisen zurück und warten gespannt ab. Und siehe da: Alles geschieht genauso, wie wir es vorhergesehen haben!
Entscheidend ist nun aber, dass die Tatsache, dass wir von der Zukunft bereits wussten, nicht gleichbedeutend damit ist, in sie einzugreifen. Sie läuft völlig ohne unser Zutun ab; wir kennen sie einfach schon. Anders ausgedrückt: Unser Wissen über die Zukunft und der freie Wille unseres Nachbarn sind logisch völlig widerspruchsfrei miteinander vereinbar.
Gott braucht dafür natürlich keine Zeitmaschiene. Ihm sind gewissermaßen alle Zeitpunkte, die jemals existiert haben und die es jemals werden, präsent. Genau deswegen kann er – in der Fülle allen Wissens – einen perfekten Plan haben. Er kann eingreifen, wo er möchte, muss es aber nicht. Das Wissen über die Zukunft setzt nicht ihre aktive Kontrolle voraus, schließt sie aber auch nicht aus – und genau deshalb lohnt es sich, zu beten.
Anders verhält es sich, wenn wir eine naturalistische Weltanschauung annehmen. Der Naturalismus geht davon aus, dass es in dieser Welt nichts anderes gibt, als Materie und natürliche Abläufe, die prinzipiell auf physikalische Prozesse heruntergebrochen werden können.
Wenn wir allerdings nichts anderes sind, als ein physikalisches System, bedeutet das auch, dass wir den Gesetzen der Physik komplett unterworfen sind. Jeder unserer Gedanken ist dann nicht mehr als ein elektrischer Impuls in unserem Gehirn, der so abläuft, wie er abläuft, weil die Physik nun mal ist, wie sie ist.
Es bleibt also, zu fragen, ob die Ablehnung eines allwissenden Gottes nicht eine größere Herausforderung für den freien Willen darstellt, als der Glaube an ihn.